Ergebnisse der Workshops 2008

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Workshop 1: IKT und Alter

Organisiert und geleitet durch PRO SENECTUTE SCHWEIZ

Der digitale Graben ist heute noch ein Tatbestand: gemäss den Erhebungen des Bundesamtes für Statistik (BFS) wiesen im 2007 Personen ab 55 Jahren mit 55.7% nach wie vor eine wesentlich geringere Internetnutzung auf, als die 15-24 Jährigen (92.1%). Bei den Personen ab 65 Jahren lag die Nutzung lediglich bei 22.7%.
Dieser Umstand ist unzureichend, denn viele Informationen sind heute nur noch via Internet erhältlich. Zudem können Informations- und Kommunikationstechnologien das Alltagsleben von älteren Menschen mit eingeschränkter Mobilität erleichtern, Kontaktmöglichkeiten nach aussen ermöglichen und somit eine gewisse soziale Absicherung gewährleisten.

IKT-Intitiativen von Pro Senectute

Zur Verringerung des digitalen Grabens arbeitet Pro Senectute u.a. an der Umsetzung eines günstigen "Sorglos-PC Komplett-Pakets", das den SeniorInnen den Zugang zu PC und Internet ermöglicht sowie an der Realisierung einer wissenschaftlichen Studie, welche die Gründe der unterdurchschnittlichen Nutzung der IKT bei den SeniorInnen untersucht.

Pro Senectute lanciert zudem zusammen mit dem Schweizerischen Seniorenrat SSR und Seniorweb.ch die Informationsplattform "IKT im Alter einfacher und effizienter durchgeführt werden können. Das Kick-off des geplanten Netzwerks findet am 07. Januar 09 statt.

Netzwerk IKT im Alter

Fachreferat zum Thema Seniorenmarketing

Mittels des Fachreferats von Herrn Dr. phil. Urs Kalbermatten, Sozialpsychologie und Gerontologie (Berner Fachhochschule und Pro Senectute Schweiz) wurde aufgezeigt, dass die Schwierigkeit des Seniorenmarketings darin besteht, dass das Kundensegment sehr heterogen ist und dass das Alter allgemein negativ und als Zeit des Stillstands (Ruhestands und Rücktritts) bewertet wird. Bezüglich des Zugangs zu den IKT-Einsatzfelder aufzeigen.

Projekt "Frauen an die Mäuse", der Pro Senectute Bern

Durch das Projekt "Frauen an die Mäuse", vorgestellt von Herrn Daniel Aegerter der Pro Senectute Bern, bei welchem junge Frauen im Alter von 14 bis 18 Jahren Seniorinnen ab 60 Jahren auf ihren ersten Schritten ins Netz begleiten, wurde ein positives Beispiel des fruchtbaren Austauschs zwischen den Generationen aufgezeigt und auf geschlechter-spezifische Unterschiede zwischen Mann und Frau hingewiesen. Es wurde u.a. festgestellt, dass die Männer für Frauen oft Hemmschwellen für den Zugang zur Technik darstellen.

Projekt Click&Tax der Pro Senectute Arc Jurassien

Mittels der Präsentation von Herrn François Dubois des Projektes "Click&Tax", welches die Pro Senectute Arc Jurassien zusammen mit dem Kanton Neuchâtel ab 2009 lanciert, wurde ein Beispiel der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Kanton und Organisation aufgezeigt und auf die Problematik hingewiesen, dass die Schliessung des digitalen Grabens ein Thema ist, das von Politik und Staat getragen werden muss. Es kann nicht als gegeben betrachtet werden, dass die Bevölkerung über genügende Kompetenzen und Infrastruktur verfügt, um e-Government-Tools nutzen zu können (wie beispielsweise ein EDV-Programm zum Ausfüllen der Steuererklärung).

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Workshop 2: Technologie macht den Zugang möglich

Organisiert von Swisscom, Microsoft, Fondation pour les téléthèses (FST) und Zugang für alle

Der Workshop widmete sich schwerpunktmässig folgenden Fragen: Wie macht Technologie Zugang möglich? Welchen Stellenwert hat das Thema Zugang in technologieorientierten Firmen? Wo stehen wir Heute und was bleibt zu tun?

Den ersten Teil des Workshops eröffnet Markus Riesch von der Stiftung „Zugang für alle" mit einer Standortbestimmung zum Thema Accessibility in der Schweiz. 15 % der Bevölkerung haben ein Problem mit dem zugang zu IKT. Auch fünf Jahre nach Inkrafttreten des Behindertengleichstellungsgesetzes besteht noch ein grosser Nachholbedarf um die Situation umfassend zu verbessern. Herausforderungen wie z.B. Web 2.0 und Lehrmittel in multimedialer Form stellen die Stiftung "Zugang für alle" vor besondere Aufgaben.

Die Stiftung zugang-fuer-alle setzt sich vor diesem Hintergrund in der Schweiz und im Fürstentum Lichtenstein für die Technologieerschliessung und -nutzung durch Menschen mit Behinderung ein. Anfänglich getragen von Institutionen des Blindenwesens, konzentriert sie sich auf die Bedürfnisse von blinden und sehbehinderten Menschen. Sie ist jedoch jeder Zeit bereit, ihre Dienstleistungen auf andere Behinderungskategorien auszudehnen.

Yves Mühlebach von der Stiftung für elektronische Hilfsmittel , FST, berichtete aus seiner Forschungs- und Entwicklungsarbeit bei fst. Bei den verschiedenen Kommunikationshilfen zur Umweltkontrolle (Selbständigkeit im Wohnbereich), unterstützte Kommunikation oder alternativen Eingabesystemen für Computer steht überall die bessere Lebensqualität im Mittelpunkt. So begleitet beispielsweise der "Geo Pointer" ältere Menschen und vermittelt ei durch die Navigations- und Alarmfunktion sowohl Betroffenen als Betreuern ein Gefühl der Sicherheit und ermöglicht eine verbesserte Selbständigkeit.

Andre Heim von Microsoft und Daniel Morgenthaler von 1eEurope, stellten in ihrem Vortrag die Initiative "Barriere-frei-Kit für "Microsoft SharePoint Server 2007" vor. Was im Tunnelbau und der industriellen Fertigung mit sprachgesteuerter Unterstützungstechnologie für die Softwarenutzung am Arbeitsplatz begann, setzte auch Standards für das "Barrierefrei Kit" für MS Share Point. Dass bei der Implementierung Schulung und Unterhalt matchentscheidend sind, kam ebenso deutlich zum Ausdruck, wie die Tatsache dass Grosse Anbieter wie Microsoft in Kooperation mit kleineren Firmen die internationalen Rahmenbedingungen erfolgreich auf lokale Verhältnisse in der Schweiz anpassen können microsoft.

Luciano Butera von Swisscom zeigte anhand seiner Projektpräsentation "me2me" die künftigen Möglichkeiten sprachgesteuerter Technologie auf me2me ermöglicht die Verbindung von Sprache und Internet und organisiert Alltagsinformationen. Ob Einkaufszettel, Fahrplanauskunft oder Erinnerungshilfen: das flinke Werkzeug hilft in verschiedensten Lebenslagen. Die Praxisdemonstration gab einen spannenden Einblick in die Kommunikationswelt der Zukunft und leitete ideal zur engagiert geführten Diskussionsrunde zum Thema "Technologie und Zugang - was ist noch möglich?" über.

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Workshop 3: IKT für Menschen mit Migrationshintergrund

Organisiert und geleitet durch Ursula Dubois, Netzwerk Sociolution und Verein Web for Migrants, mit der Beteiligung der Projektverantwortlichen:

  • Christine Eggenberg, Kornhausbibliotheken Bern
  • Brigitte Gonzales-Ostos, Forum des étrangères et étrangers de Lausanne FEEL
  • Kathrin Kissau, Université de Lausanne
  • Luzia Kurmann, Migros Kulturprozent

Der Workshop fragte nach der Bedeutung des Internets für die Integration der MigrantInnen in die schweizerische Gesellschaft. Dabei ging es nicht nur um die Frage "Wie kann die e-Inclusion von bildungsfernen oder "traditionellen“ Migrationsmilieus vorangetrieben werden?“. Technischer Zugang und Nutzerkenntnisse wurden zwar von allen Projektverantwortlichen als Grundvoraussetzung geortet, gleichzeitig waren sie sich aber einig, dass es mehr braucht, damit das Web der Integration der ZuwanderInnen in die Zielgesellschaft wirklich dient. Zu beantworten gelte es u.a. folgende Fragen "Wie kann der Webzugang zur schweizerischen Wissensgesellschaft für alle Migrationsgruppen geöffnet und die Teilnahme der MigrantInnen an lokalen Projekten durch das Internet gefördert werden?“

MigrantInnen nutzen das Web intensiv, aber das Problem der e-Inclusion von bildungsfernen Milieus bleibt bestehen

Schon heute nutzen MigrantInnen in der Schweiz das Internet intensiv: Gemäss einer Untersuchung, die Prof. Heinz Bonfadelli vom Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich im Auftrag des Migros Kulturprozents durchführte, sind gegenwärtig 60% der MigrantInnen täglich und 20% von ihnen mehrmals pro Woche online. Weiterhin ausgeschlossen bleiben aber Gruppen, die ohnehin der Gefahr der Ausgrenzung ausgesetzt sind (Frauen aus "traditionellen" Gesellschaften, Menschen ohne Berufsbildung, Hilfskräfte etc.). Wie solche Zielgruppen mit niederschwelligen Kursangeboten erfolgreich in die Computernutzung eingeführt werden können, zeigten Christine Eggenberg und Brigitte Gonzales-Ostos anhand von Projekten der Kornhaus-Bibliotheken, respektive des Forum des étrangères et étrangers de Lausanne FEEL.

Niederschwellige e-Inclusion-Projekte sollten im Alltag der betreffenden MigrantInnen verankert sein

Entscheidend sei, hält die Auswertung des Projekts "Migrantinnen und PC" der Kornhaus-Bibliotheken Bern und des BAKOM fest, dass

  • das Zielpublikum sehr genau, ja eng, definiert werde;
  • das Angebot lokal verankert sei;
  • die Kursleitung sich in der lokalen Migrationsszene Kontakte habe und für das Angebot werben könne;
  • der Kurs Verbindungen zum Alltag der Kursteilnehmenden erstelle.

Nach dem Kurs nutzten die Frauen - so die Projektauswertung - PC und Internet vorwiegend im Rahmen der Familie. Textverarbeitung und Email-Korrespondenz stünden im Vordergrund. Internet erfülle zudem eine wichtige Funktion dabei, sich in der Muttersprache über Themen und Geschehnisse im Zusammenhang mit dem Herkunftsland zu informieren, oder aber sich mit Musik in der Muttersprache zu unterhalten.

Brigitte Gonzalez-Ostos bestätigte die Erkenntnisse der Kornhausbiliotheken. Seit mehreren Jahren bietet das Forum des étrangères et étrangers de Lausanne FEEL eine Mischung aus Computer- und Französischkursen an (Initiation au français par l'informatique), die mehrmals jährlich ausgebucht sind. Im Unterricht kommen auch MigrantInnen als "Facilitateurs" zum Zuge, die den AnfängerInnen zeigen, wie sie die Schwierigkeiten im Umgang mit Computern, der fanzösischen Sprache und der Schweiz gemeistert haben. Für die FEEL-Projektleiterin ist dieser Einbezug der MigrantInnen für den Erfolg der Kurse ausschlaggegebend.

Damit jeder Kursteilnehmer auch zu Hause über einen PC und einen Internetzugang verfügen kann, arbeitet FEEL mit dem Lausanner Verein Joker, der gebrauchte Computer für SeniorInnen und einkommensschwache Personen aufbereitet. Gegen eine Beteiligung von CHF 200 erhalten diese einen kompletten PC mit Software und Internetzugang nach Hause geliefert und installiert.

E-Mail und Informationen aus dem Heimatland zentral

Auch Brigitte Gonzalez-Ostos stellt in der Auswertung ihres Ausbildungsangebots fest, dass die KursbesucherInnen die erworbenen Kenntnisse in erster Linie für die Textverarbeitung, den Email-Verkehr mit der Familien und Freunden sowie der Suche nach Informationen aus dem Herkunftsland nutzten. Auch für MigrantInnen, die relativ gut Französisch sprächen, bleibe die Muttersprache die wichtigste Internetsprache: "Bei der Einführung in die Websuche werden die Sprachkenntnisse sehr schnell zur Barriere. Die Informationssuche in Französisch scheitert vielfach am Mangel präziser Sprachkenntnisse."

MigrantInnen nutzen das Internet mehrheitlich in der Muttersprache

Eine Beobachtung, die Kathrin Kissau, in ihren Untersuchungen zum Nutzungsverhalten von MigrantInnen wissenschaftlich bestätigen konnte. Ihre deutsche Studie zur Internetnutzung von MigrantInnen aus der ehemaligen Sowjetunion zeigt, dass 51% der Befragten das Web vorrangig in Russisch nutzen, 28% sowohl in Deutsch als auch in Russisch und nur 21% hauptsächlich in Deutsch.

Zentrale Aktivitäten wären dabei die Suche nach Information (100% der Befragten), die Kommunikation - E-Mail, Chat etc. - (87,7% der Befragten), die Weitergabe von Informationen (80,4% der Befragten), der Kontakt mit dem Herkunftsland (75,6 % der Befragten), die Entspannung (60,9% der Befragten) sowie Spass und Spiele (47,6% der Befragten).

Internetinhalte aus Deutschland würden - so Kathrin Kissau - in erster Linie für Informationen über regionale Angebote (62% der Befragten) und von Behörden (55% der Befragten) genutzt. Im weiteren diene es rund der Hälfte der Befragten zur Information über die deutsche Lebensart und die Verbesserung der Deutschkenntnisse. Rund 40% würden das Internet auch für die Beantwortung rechtlicher Fragen, die Wohnungs- und die Arbeitssuche einsetzen.
Interessant sei dabei - so Kissau -, dass sich die Befragten gerne vermehrt der Internet-Inhalte aus Deutschland bedienen möchten. Vor allem im Bereich Arbeitssuche seien 90% der Befragten der Meinung, das Web wäre ein ideales Hilfsmittel. Dass nur 40% von ihnen das Internet zur Jobsuche einsetzt, begründen sie mit sprachlichen Problemen.

Integration wird durch Kenntnisse über die Zielgesellschaft vorangetrieben - egal in welcher Sprache diese angegeignet werden.

Von einem Integrationsbegriff ausgehend, der auf die Akkulturation der ZuwanderInnen setzt, hielt Kathrin Kissau fest, für die Integration entscheidend, sei weniger die Internetnutzung in Deutsch als die Nutzung von Inhalten aus und über Deutschland.

Ihre Beobachtungen legten nahe - so die Wissenschaftlerin - , dass MigrantInnen Internet-Inhalte über Deutschland weit mehr nutzen würden, wenn die Sprachbarrieren durch den Einsatz von Übersetzungen in die Herkunftssprache der ZuwanderInnen abgebaut würden. So würde der Zugang über Muttersprache die Integration verbessern, d.h. eine Akkulturation früh und wirkungsvoll gewährleisten. Sie plädierte deshalb dafür, dass MigrantInnen Informationen aus und zur Zielgesellschaft auch in ihrer Muttersprache zur Verfügung gestellt werden.

Websites der Verwaltungen entsprechen den Bedürfnissen von MigrantInnen kaum

Im Zusammenhang mit ihrer Studie hat Kathrin Kissau auch eine Reihe von Websites deutscher Länder und Kommunen auf ihre "Barrierenfreiheit" für MigrantInnen untersucht. Ihr Fazit ist zum Teil vernichtend. Sie fordert deshalb, dass MigrantInnen explizit als Zielgruppe politischer Massnahmen zur E-Inclusion zu erklären seien. Dabei sei die Einbeziehung von Migrantenorganisationen in die Umsetzung von E-Inclusion ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Contakt.net- ein (Gratis)Tool des Migros Kulturprozents zur Entwicklung von Gemeindeseiten für MigrantInnen

Die Feststellungen die Kathrin Kissau für Deutschland formulierte, könnten ohne Weiteres auf die Schweiz übertragen werden, stellte Luzia Kurmann vom Migros Kulturprozent fest. Für die Projektleiterin von conTAKT-net.ch fehlt es in der Schweiz auf allen Ebenen an spezifische für MigrantInnen konzipierten Internetangeboten. Deshalb biete das Migros Kulturprozent mit conTAKT-net.ch Schweizer Gemeinden nun ein Tool, mit dem sie Websites für MigrantInnen erstellen könnten. Das Net-Tool enthalte ein CMS (Content Management System), eine Modellwebsite, Textbausteine, eine Bilddatenbank, eine Reihe von Audiofiles in 10 verschiedenen Sprachen und eine Linksammlung. 2008 sei die Pilotphase mit den Gemeindeteams von Lyss, Kreuzlingen, Zug, Sion, Flawil, Emmen, Liestal, Kriens und Vernier realisiert worden.

Interessierte Gemeinden können das Net-Tool seit Herbst 2008 gratis beim Migros Kulturprozent beziehen. Im Gegenzug müssen sie sich verpflichten, für die MigrantInnen ihrer Kommune eine Website mit Gemeinde relevanten Informationen aufzubauen.

ConTAKT-net.ch

Bottom up oder Top down?

Das Projektkonzept empfiehlt dabei, dass die Gemeinden ihre MigrantInnen-Site unter Einbezug von Fachleuten und Behördenmitgliedern von Migranten und Einheimischen auf freiwilliger Basis erstellen und betreuen lassen. Den Vorwurf der Bevormundung (top down) der MigrantInnen durch die Migros Kulturprozente, konterte Luzia Kurmann mit einem Bericht aus der Pilotphase und erzählte von sehr engagierten Teams, auch wenn die Sites einzelner Gemeinden schliesslich von den jeweiligen Kommunikations- oder Intergrationsbeauftragten realisiert worden seien und jetzt von ihnen unterhalten würden. Sie hielt weiter fest: "Dadurch, dass man sich in den verschiedenen Ämtern mit den spezifischen Bedürfnissen von MigrantInnen auseinandergesetzt habe, habe verwaltungsintern insgesamt ein wichtiger Lernprozess stattgefunden."

Muttersprache oder Landessprache?

conTAKT-net.ch setze entschieden auf die Landessprachen, erklärte Luzia Kurmann. Die Studie von Prof. Heinz Bonfadelli habe gezeigt, dass MigrantInnen sich sehr wohl zu helfen wüssten, wenn sie etwas nicht verständen. ZuwanderInnen würden sich "traditionell" Informationsbrokern bedienen. Verwandte, Bekannte, Freunde und Kinder würden schon jetzt in allen Lebenslagen bei Verständnis- und Verständigungsproblemen einspringen. Auch im Fall Web würden, wenn nötig, die gleichen Hilfen beigezogen.

Migraweb.ch - ein Projekt der Migrationsorganisationen in Zusammenarbeit mit den Institutionen der schweizerischen Zivilgesellschaft

Einen ganz anderen Weg geht das Projekt www.migraweb.ch - Internetinformation und Onlineberatung in der Muttersprache, das nach der heurigen Pilotphase 2009 aufgeschaltet wird. Die Plattform steht im Prinzip allen Sprachcommunities in der Schweiz offen. Neben den Landessprachen wird die Webseite zu Beginn albanisch, arabisch, serbisch/kroatisch/ bosnisch, englisch, portugiesisch, russisch, spanisch, türkisch, tamilisch sowie zwei oder drei afrikanische Sprachen bedienen.

In der ersten Phase bietet die Webseite

  • Information zum Schweizer Alltag in der Muttersprache. Bei der Gelegenheit werden die Inhalte von Organisationen wie Mieterverband, Konsumentenschutz, Pro Juventute, Pro Senectute, Pro Infirmis oder Ombudsmänner aller Art für MigrantInnen zugänglich gemacht.
  • Online-Beratung in der Muttersprache / Psychosoziale Unterstützung (im Sinne der Dargebotenen Hand), sowie Triage und Weiterleitung an die entsprechenden Fachstellen, Organisationen etc.
  • eine Agenda der Aktivitäten der MigrantInnen-Organisationen (und anderen Interessierten)
  • eine Datenbank der Integrationsangebote: Einfach verständliche Hinweise auf Integrationsangebote (öffentliche Hand, NGOs)

migraweb.ch

Barrierefrei heisst: ohne Umweg verständlich

Das Projekt, das unter anderem vom Dachverband der Migrationsorganisationen, dem Forum für die Integration der Migrantinnen und Migranten FIMM Schweiz, getragen wird, setzt auf die Muttersprache. "Wir wollen für MigrantInnen eine barrierenfreie Information über alle für das Leben in der Schweiz entscheidende Bereiche. Wir wollen weg von der Abhängigkeit der ZuwanderInnen vom Goodwill von GelegenheitsübersetzerInnen", erklärte die Projektleiterin von migraweb.ch Ursula Dubois. Denn:

  • Heisse Eisen (häusliche Gewalt, Drogen, Alkohol, psychische Schwierigkeiten, gewisse Krankheiten, Mädchendiskriminierungen etc.) werden aus Scham meist nicht angesprochen.
  • Wenn Kinder ihren Eltern als ÜbersetzerInnen sagen, wo‘s lang geht, verlieren letztere ihre Erziehungsmacht.
  • Was nur vom Hörensagen bekannt ist, ist schnell vergessen und/oder leicht falsch erinnert.
  • Integration beginnt am 1. Tag. Die grösste Akkulturationsleistungen (Fremdenpolizei, Wohnungsuche, Kontoeröffnungen, Versicherungsabschlüsse, Telefon, öffentlicher Verkehr, erste Kontakte mit KollegInnen oder Bildungsinstitutionen etc.) sind in den ersten Wochen - wenn die Sprachkenntnisse am schlechtesten sind - zu erbringen.

Die Muttersprache als Türöffnerin zur Landessprache

Forschung und Praxis zeigten, dass sich MigrantInnen, die früh und einfach Zugang zu muttersprachlicher Information und Beratung haben, schneller und besser integrieren. Die Sicherheit, die mit dem Verstehen der Umwelt einhergeht, erlaubt ihnen gleichberechtigter auf die SchweizerInnen zuzugehen, was wiederum den Erwerb der Landessprache fördert, berichtete Ursula Dubois aus den umfangreichen Vorarbeiten zu www.migraweb.ch.

E-Inclusion von MigrantInnen für MigrantInnen

Da - gemäss Ursula Dubois - viele MigrantInnen mit der "offiziellen" Schweiz nicht immer einfache Erfahrungen gemacht hätten, dränge es sich für die beteiligten Migrations-organisationen auf, dass die MigrantInnen als vertrauensbildende Massnahme die Aufgabe der Information und Beratung selber in die Hand nähmen. Integrierte MigrantInnen übernehmen daher bei Migraweb die Rolle von MediatorInnen. Bei der Beratung können sie die Inhalte auch "kulturell" übersetzen.

Finanzierung

Möglich wird die Plattform durch die Arbeit von freiwilligen RedaktorInnen, ÜbersetzerInnen und BeraterInnen mit Migrationshintergrund. Die Finanzierung des Projekts ist ein einmaliges Beispiel von public, private and non governmental partnership. Neben verschiedenen Städten, Kantonen und dem Bund beteiligen sich Stiftungen und Unternehmungen (z.B. Sunrise, IBM) in den kommenden 3 Jahren mit namhaften Beträgen an dem Projekt.

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Workshop 4: Illettrismus und IKT

Organisiert und geleitet durch Afra Sturm et Thomas Sommer
Pädagogische Fachhochschule Nordwestschweiz, Institut Forschung und Entwicklung, Lesezentrum

Im ersten Teil des Workshops führten Thomas Sommer und Afra Sturm ins Thema ein. Sie beleuchteten Herkunft und Bedeutung des Begriffs "Illettrismus" und schilderten die Situation in der Schweiz. Dies unter anderem auf der Grundlage der ALL-Studie (Adult Literacy und Lifeskills Survey 2003) und ihrem eigenen Projekt "Illettrismus und neue Technologien – Schriftlernen in der Nachholbildung", das sie zusammen mit der Universität Bern und den Praxispartnern der VHS beider Basel, der Weiterbildungsorganisation aprentas und der Association Lire et Ecrire Suisse romande durchführen. Den Workshop-Teilnehmenden wurde ein kurzer Einblick in die Lehr- und Lernplattform des Projekts gewährt und ausgewählte Ergebnisse aus der begleitenden Forschung präsentiert.

Die für den Workshop leitenden Fragen waren: Was ist Illettrismus? Wie zeigt sich Illettrismus in unserer Gesellschaft? Welche Rolle spielt dabei IKT gar als Verstärker des Problems? Welche Strategien oder Massnahmen sind dabei hilfreich? Welche Akteure bzw. Akteurinnen müssten zusammenkommen? Welche Herangehensweisen sind Erfolg versprechend?

In der kurzen Zeit, die für die Diskussion zur Verfügung stand, können natürlich keine abschliessenden Antworten erwartet werden. In der Folge sind hier stellvertretend ein paar Punkte aus der geführten Diskussion aufgelistet.

In der Schweiz (noch) kein Thema

Das Thema Illettrismus wird in der Schweizer Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, wenn es auch regionale Unterschiede gibt. Trotz verschiedener Anstrengungen und politischer Vorstösse konnte bis anhin kein nationaler Plan zur Bekämpfung des Illettrismus aufgestellt werden. Deutschland und Österreich, ganz besonders aber Frankreich, sind uns da einiges voraus. Eine umfassende Sensibilisierungskampagne könnte hier das Terrain ebnen.

Institutionelle Dimension

In den diversen Kursen werden IKT kommen dabei auch in Integrationskursen von MigrantInnen erfolgreich zur Anwendung. Es braucht mehr und vor allem niederschwelligere Angebote und Bestrebungen, um die Zielgruppe zu erreichen. Bestehende Werkzeuge, die für andere Zielgruppen entwickelt wurden, liessen sich evtl. auch gewinnbringend in der Illettrismusbekämpfung einsetzen.
Die Bildungspolitik und die entsprechenden Akteure müssen sich der Definition von Minimalstandards annehmen und für Rahmenbedingungen für eine entsprechende Aus- und Weiterbildung sorgen, dies insbesondere unter Einschluss von IKT.

Persönliche Dimension

Die IKT-Angelegenheiten für noch zu wenig fit zu erklären ist bei weitem nicht so stigmatisierend wie beispielsweise eine Lese- oder Schreibschwäche einzugestehen.

Auch wenn eine breite Unterstützung seitens der öffentlichen Hand bis anhin ausblieb, lassen die vielseitigen Tätigkeiten im Feld hoffen. Diverse Akteure kooperieren auch über ihre Fachgrenzen hinaus miteinander (bspw. Bibliotheken in Zusammenarbeit im Vereinen von Lesen und Schreiben). IKT kann dabei das Entstehen einer grösseren Community befördern. Entsprechende Massnahmen sollten möglichst rasch eingeleitet werden.

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Workshop 5: Fundraising für Non-Profit-Organisationen

Organisiert und geleitet durch Prof. Robert Purtschert, Verbandsmanagement Institut, Universität Fribourg

Fundraising heisst Spenden sammeln. Diese erhält eine Organisation im Sinne der Philantrophie ohne Gegenleistung. Im Vergleich dazu wird beim Sponsoring eine kommunikative Gegenleistung erwartet. Achtung: Sponsoring ist mehrwertsteuerpflichtig!
Fundraising kann für soziale Organisationen als ein ergänzendes Finanzierungsinstrument angesehen werden, damit können aber keinesfalls staatliche Beiträge ersetzt werden.
Fundraising ist eine sehr schwierige Marketing-Herausforderung. Es gibt keine schnellen Tricks, sonder nur seriöse Konzeptarbeit (dies ist eine Vorinvestition). Prof. Purtschert zeigte, wie im Rahmen des Freiburger Management Modells für Nonprofit-Organisationen ein Fundraising Konzept entsteht. Zentraler Punkt ist die Positionierung der Organisation, denn die Spendenden nehmen die beschenkte Organisation meistens nur über die kommunikativen Massnahmen wahr. Es ist deshalb wichtig, bei der Zielgruppe ein positives Vorstellungsbild über die Organisation entstehen zu lassen.
Auch jede auf dem Fundraising-Konzept aufbauende operative Fundraising-Aktion ist systematisch nach der empfohlenen Heuristik zu planen. Beispiele in der Praxis zeigen, dass dieses systematische Vorgehen eindeutige Erfolge bringt. Das Hauptinstrument sind nach wie vor Directmail-Aktionen, wobei eine erste Runde bei neuen Adressen meistens im besten Fall die Kosten deckt. Erst in späteren Phasen ist mit Ueberschüssen zu rechnen.-
Ein zukunftgerichtetes Instrument mit grossem Potential ist das Legate-Marketing. (vgl. Purtschert et. al. Legate-Marketing, Verlag Paul Haupt Bern). Noch nie in der Geschichte werden so viele Vermögen übertragen wie in der nächsten Zeit.

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